Manfred Sack in Die Zeit Nr. 24/2004:

Der Einfamilienhausherden überdrüssig, die sich an den Stadt- und Dorfrändern herumtreiben, blickt man versonnen auf die alten Werksiedlungen – etwa auf die, welche nach 1900 in der Lausitz entstanden sind: die Architektur von bemerkenswerter Stattlichkeit, die raumbildende Gruppierung der Häuser von sympathischer Kompaktheit. Selbst wenn, wie Wolfgang Kil in seinem erzgescheiten Essay beschreibt, in der sozialen Wohltat immer auch soziale Kontrolle steckte, bewundert man die stilistische Würde. Und beklagt den Verlust, der sich in Verwahrlosung oder blinder Komfortabilisierung zeigt. Beides führt das Buch vor Augen.

 

Wolfgang Schwinge in der Deutschen Bauzeitung 10/2003

Worum es Kil und Zwickert geht, wird bereits durch ein Bild auf Seite 17 deutlich: Ein Gasthaus "Hoffnung", das seine Namensgeberin schon lange verlassen hat. Man ist an gestrandete Fischkutter in der Salzwüste erinnert, die einmal der Grund des Aral-Sees war. Und dann muss man lesen - nicht zu viel, Wolfgang Kil nimmt auf diejenigen, die lieber blättern, durchaus Rücksicht. Trotzdem wird vor sorgfältig recherchiertem Hintergrund in die Zusammenhänge zwischen sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Prozessen und ihrem prägenden Ausdruck in Werksiedlungen und Kolonien hineingeführt. Wo gerade jede größere Wohnsiedlung wieder als "Gartenstadt" firmiert, gebührt der Publikation das besondere Verdienst, erneut die sozialpolitischen Ambivalenzen dieses Reformwohnungsbaus in Erinnerung zu rufen. Wichtig auch die Klärung der siedlungstypologischen Merkmale eines Siedlungsbaus, der durch strenge Hierarchie und soziale Kontrolle bestimmt ist. Die Beschreibung der Siedlungen selbst ist knapp und so dicht und differenziert zugleich, dass sie den Leser als hinreichend wissenden und sehenden Betrachter der zugehörigen Fotografien entlassen kann. Ein wenig mehr Verbindung zwischen den brillanten Aufnahmen und den Lageplänen, und sei es durch ein Abbildungsverzeichnis im Anhang, wäre sinnvoll gewesen. Der Rezensent hat die "Gartenstadt" Lauta-Nord an einem Dezembertag 1994 zufällig gefunden. Dass die Siedlungen hier sachkundig vorgestellt sind, war Überfällig. Zwar wird man die Orte auch jetzt wieder suchen müssen - viel hilft die kleine Karte nicht - aber mit dieser Publikation im Koffer lohnt die Reise.

 

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  Werksiedlungen - Wohnform des Industriezeitalters    
       
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